
Unterschied zwischen kommerziellem IoT und industriellem IoT (IIoT)
Technischer und geschäftlicher Vergleich mit Fokus auf Sicherheit, Zuverlässigkeit, Protokolle, Datenverarbeitung und Integration in industrielle Umgebungen.
Einführung
Unter kommerziellem IoT verstehen wir Systeme, die Geräte und Sensoren mit dem Internet verbinden, um Komfort, Kundenerfahrung oder betriebliche Abläufe zu verbessern — z. B. Smart Buildings, vernetzte Beleuchtung oder Retail-Anwendungen. IIoT (Industrial Internet of Things) überträgt diese Prinzipien in industrielle Umgebungen wie Fabriken, Energieanlagen oder kritische Infrastruktur, wo Kontinuität, Sicherheit und Skalierbarkeit von höchster Bedeutung sind.
Technische Unterschiede
- Sicherheit & Zuverlässigkeit: IIoT erfordert weitaus strengere Sicherheitsmaßnahmen (Segmentierung, HSM, Zertifikatsmanagement, OT-sicheres Patchmanagement) und höhere Verfügbarkeits-SLAs.
- Latenz & Echtzeitfähigkeit: In IIoT-Anwendungen sind niedrige Latenzen und deterministisches Verhalten notwendig (z. B. Closed-Loop-Regelung). Kommerzielles IoT toleriert oft höhere Verzögerungen.
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Kommunikationsprotokolle: IIoT nutzt industrielle Standards wie OPC UA, Profinet, Ethernet/IP oder Modbus während kommerzielle Lösungen häufig Wi-Fi, Bluetooth oder Zigbee verwenden.
- Robustheit der Hardware: IIoT-Geräte sind für raue Umgebungen (Temperatur, Vibration, EMV) ausgelegt; kommerzielle Geräte sind meist für mildere Umgebungen konzipiert.
Integration und Datenverarbeitung
Industrielle Projekte müssen häufig Legacy-OT (bestehende Steuerungen, SPS, proprietäre Busse) integrieren. Zudem sind die Datenraten oft sehr hoch — zeitserienartige Messdaten mit hoher Abtastrate erfordern:
- Edge-Computing zur Vorverarbeitung und Latenzreduktion
- Skalierbare Time-Series-Datenspeicherung
- Advanced Analytics / Predictive Maintenance Pipelines
Hinweis: Die Architektur muss sowohl Datenintegrität als auch deterministische Kommunikationspfade sicherstellen, insbesondere wenn Steuerungs- oder Sicherheitsfunktionen betroffen sind.
Geschäftliche Aspekte
Kommerzielle IoT-Projekte sind oft kurzfristiger, zielorientiert auf UX, Energieeinsparung oder Serviceverbesserung. IIoT-Projekte sind in der Regel langfristig, maßgeschneidert und mit klaren ROI-Betrachtungen verbunden, da Ausfallzeiten hohe Kosten verursachen können. Projektmanagement, Compliance und Change-Management sind im IIoT kritischer.
Empfehlungen für Unternehmen
- Use-Case genau bestimmen: Kommerziell vs. industriell — die Wahl bestimmt Architektur und Investitionsbedarf.
- Security-by-Design: Zertifikatsmanagement, Netzwerksegmentierung, Audit-Trails und OT-sichere Prozesse einplanen.
- Edge & Cloud Balance: Latenzkritische Logik am Edge, langfristige Analyse und Archivierung in der Cloud.
- Interoperabilität: Unterstützung industrieller Protokolle und klare Strategie für Legacy-Integration.
- Business Case: Total Cost of Ownership (TCO) und Kosten durch potenzielle Ausfälle in die Entscheidung einbeziehen.
Fazit
Der Unterschied zwischen kommerziellem IoT und IIoT ist nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch und wirtschaftlich. Eine ko